
Kapellenhaide
„Kapö(l)nhoad“ -(3321 - 3338) - Auf dem Gebiet
dieser ehemaligen Heide steht schon seit 1715 eine Kapelle, nämlich
die Rosaliakapelle.
Kapellenriegel
„Kapö(l)nriegl“ - Kapellenhaide-Teil (3324 - 3327)
Am Nordostende des Ruster Hügellandes liegt das Leithakalk- und
Kalksandsteinvorkommen des Kapellenriegels.
Der ehemalige Steinbruch, der für viele Häuser des Ortes (Trift-,
Baumschulgasse) Baumaterial lieferte, dient seit 1989 als Bauschuttdeponie.
Diese wurde im Juni 1998 geschlossen.
Auf der höchsten Stelle steht die 1715 errichtete Rosaliakapelle,
ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Gemeinde. Der einfache Bau mit
gewalmten Satteldach und hölzernem Dachreiter erinnert an die Pest
des Jahres 1713, damals waren vom 5. August bis 12. Dezember 95 Tote
zu beklagen.
Aufgrund eines Gelübdes wird jährlich am 4. September, dem
Rosaliatag, dieser Katastrophe im Rahmen eines Gottesdienstes - früher
in Verbindung mit einer Prozession - gedacht.
Das Areal um die Kapelle ist im Eigentum der röm. kath. Pfarrkirche.
Dazu heißt es im Urbarialvergleich von 1881: „...zur Aufnahme
der sehr zahlreichen Wahlfahrter bei der, auf der gemeinschaftlichen
Hutweide sich befindlichen Rosalie Kapelle, von Donnerskirchen Communications
Wege anfangend bis zur Kapelle in entsprechender Form auszuscheiden...2
Joch.“
Broatl
Kapellenhaide-Teil (3322/1 - 3323) und Altenbergsatz-Teil (2501 - 2058)
Diese Weingartenrieden bestehen aus kurzen, aber verhältnismäßig
breiten Grundstücken, die infolge ihrer geringen Größe
in der Verkleinerungsform der Bezeichnung Braiten als „Broatl“
benannt werden.
Interessant ist, daß zwei, nicht sehr weit von einander entfernte
Flurteile diesen Namen vom Volksmund erhielten.
Durch einen Grundstückstausch im Zusammenhang mit einer Veränderung
des Haideackerweges gelangte das Broatl neben dem Areal der Rosaliakapelle
in den Besitz von Josef Krisper (heute Alfons Fabian).
Me(i)lgste(i)ppn
Kapellenhaide-Teil (3326, 3327)
Den westlichen Teil des Kapellenriegels nutzte die Ortsbevölkerung
lange Zeit als Steinbruch. Bei der eventuell neuerlichen Inbetriebnahme
im Jahre 1868 gab es allerdings Schwierigkeiten, es fehlte nämlich,
wie ein Dokument bezeugt, die Zustimmung des Grundherrn Esterhazy und
deshalb mußte die Gemeinde eine Geldstrafe zahlen.
Die unterschiedliche Härte des Kalkes bewirkte verschiedene Nutzungen.
Der etwa 4 m mächtige, feste Kalksandstein (Nulliporenkalk mit
Korallenstöcken) in der Nähe der Rosaliakapelle diente als
Baustein. Viele in den 20er Jahren erbaute Häuser in der Baumschul-
und Triftgasse bestehen aus diesem Material.
Der weichere, einige Meter mächtige Leithakalk - im Volksmund „Me(i)l“
bezeichnet - am Fuß des Hanges zu den Zeisseläckern fand
als Befestigungsmaterial für Hof-, Keller- und Tennenböden,
bis zum 1. Weltkrieg auch für Wohnungsböden, Verwendung. Leithakalk
setzt sich aus Nulliporengrus mit Austern, Pecticiden, Bryozoen, Amphisteginen
usw. zusammen. Die unterschiedlich großen „Me(i)lbrouckan“
zerkleinerte man mit einem Schlegel, verteilte sie mit einem Rechen
gleichmäßig einige Zentimeter hoch, begoß und verfestigte
sie schließlich mit einem selbstangefertigten Stampfer.
Diese Arbeit geschah normalerweise vor dem Kirtag (letzter Sonntag im
August), aber auch vor besonderen Ereignissen, wie Hochzeiten.
Die Arbeit in der „Me(i)lgste(i)ppn [„Me(i)l“ wahrscheinlich
von Mergel, ein Ton-Kalk-Gestein; „Gste(i)ppn“ als Bezeichnung
für Böschung, steile Wand] konnte gefährlich sein, da
über dem „Me(i)l“ eine über 50 cm mächtige
Humusschicht lagert, die untergraben wurde. Den Überhang stieß
man von Zeit zu Zeit herunter. Geschah das nicht rechtzeitig, stürzte
das Material oft unvorher-gesehen herab. So kam es am 3. November 1943
zu einem tragischen Unfall: Den Landwirt Matthias Gmasz („Hoada-Gmasz“),
54 Jahre, wohnhaft in der Altenberggasse begruben die Erdmassen und
er konnte nur mehr tot geborgen werden. Ein ukrainischer Kriegsgefangener,
der bei der Arbeit half, konnte das Unglück nicht verhindern.
Von 1989 - 1998 wurde mit behördlicher Genehmigung Bauschutt und
Aushubmaterial deponiert - Bauschuttdeponie „Rosalienhügel“.
Die Gebühr betrug S 100,-/m3 bzw. ab 1995 S 150,-/m3, geöffnet
war Samstag, anfangs unter Aufsicht von Franz Schmidl, Baumschulgasse
und später von Matthias Schmit, Altenberggasse (beide Pensionisten).